Europan Deutschland

Wernigerode

Europan 16
Integrative und strategische Stadtbausteine

 

Maßstab
S, M architektonischer und städtebaulicher Maßstab

Teamvertreter
Architekt·in, Landschaftsplaner·in

Standortgruppe
Revitalization – Making Territories Performative

Standort
Stadt Wernigerode, Sachsen-Anhalt, DE

Einwohner
ca. 32.810 Einwohner

Reflektionsbereich
ca. 22,37 ha

Projektgebiet
ca. 8 ha

Standortvorschlag
GWW

Beteiligte Akteure
GWW, Stadt Wernigerode

Grundstückseigentümer
GWW Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode mbH 

Art der Beauftragung
Geplante Realisierung der beiden Wohngebäude 2023/24


Urbane Strategie

Die Stadt Wernigerode liegt in Sachsen-Anhalt auf der Nordseite des Harzes und ist überregional als touristisches Ziel bekannt. Die topografische Lage lässt nur eine städtische Expansion nach Norden hin zu. Die Bevölkerungszahlen sind stabil mit einem leichten Abnahmetrend in den letzten Jahren. Freie Wohnungen für junge Familien zur Miete sind in der Stadt kaum vorhanden. Die meisten Familien weichen deshalb auf die umliegenden Gemeinden aus. Die GWW Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft Wernigerode mbH möchte dies mit neu zu entwickelnden Arealen im Stadtraum ändern. 

 

Der Standort

Der Betrachtungsraum, in dem sich beide Wettbewerbsgebiete befinden, liegt im nord-westlichen Teil der Stadt. Der Bereich ist von der historischen Innenstadt durch die Bahnlinie Hannover-Halle (Saale) getrennt. Die Bebauung ist sehr heterogen. Großflächige Gewerbebetriebe, zwei- bis viergeschossige Wohnbauten (Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, Zeilenbauten), sowie Gartengrundstücke bilden eine sehr diverse Struktur. Im Norden des Areals schließt der Bürgerpark, ein ehemaliges Gartenschaugelände mit großzügigen Wiesen und Wasserflächen und unterschiedlichen Freizeitnutzungen, an.

Der Hauptbahnhof befindet sich in unmittelbarer Nähe und ist mit dem Fahrrad in 10 Minuten zu erreichen. Die Anbindung erfolgt über eine Fuß- und Radwegbrücke westlich des Hauptbahnhofes und einen unterirdischen Kreuzungsbereich in der Schlachthofstraße. Zudem wird die Fläche von dem östlich gelegenen Veckenstedter Weg tangiert. 

Das Quartier wird von 4 Straßen eingerahmt und gleichzeitig erschlossen. Die innere Erschließung erfolgt über zwei Durchgangsstraßen mit niedriger Verkehrsfrequenz. Der Siedlungsbau an der nordwestlichen Ecke ist aus den 1890–1930 Jahren und wurde als Werkswohnungsbau/Siedlungsbau konzipiert. Die großen Gartenanlagen waren als Selbstversorgergärten angelegt. Weitere Grünbereiche werden heute als Kleingartenanlagen und Erzeugergärten benutzt sowie auch geprägt von Brachflächen. Im Gießerweg ist ein Kindergarten untergebracht. Weitere Einrichtungen sozialer Art gibt es noch nicht.

Ziel des Verfahrens ist, einen nachhaltigen, ökologischen und gemischten Rahmenplan für den größeren Betrachtungsraum zu entwickeln, der in kleineren und sinnvollen Bau- und Erschließungsabschnitten entwickelt werden kann. Als Auftakt sollen die beiden Projektgebiete 1 und 2 als Rahmensetzung und Initiationsprojekte verstanden werden. 

 

Living Cities – Lebendige Städte

Die beiden Projektgebiete markieren die Ecken eines Areals, das heute überwiegend durch Gartenland mit einer eher kleinteiligen Bebauung geprägt ist (ehemalige Erzeugergärten). Hier wäre aus städtebaulicher Sicht eine Verknüpfung traditioneller Konzepte der Gartenstadt- und Siedlungsbewegungen mit der erhöhten Aufmerksamkeit, die Grünräumen in der Stadt heute unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten zugemessen wird, von Interesse. 

Die Innenentwicklung der Städte, die aus ökologischer Sicht sinnvoll ist (Reduktion von Flächeninanspruchnahme, Versiegelung, Verkehrserfordernisse) führt dazu, dass auch Freiräume heute mehr sein müssen als Orte der Kontemplation oder Ökosystemdienstleistung. Sie können sowohl als Gemeinschaftsgärten, als auch als Standorte lokaler Lebensmittelproduktion einen wichtigen Beitrag zu einer sozialökologisch nachhaltigen Stadtentwicklung liefern. 

Zwar ist eine Bebauung des Betrachtungsraumes nicht zeitnah geplant, doch sollten hier Vorschläge gemacht werden, wie die „Living City“ der Zukunft aussehen kann. Aktuelle Debatten – wie zum Beispiel die populistische Polarisierung zwischen „Einfamilienhaus“ einerseits und „Plattenbau“ andererseits – zeigen, dass hier dringend differenziertere Vorschläge und neue Vorstellungen vom städtischen Leben („urban imaginaries“) benötigt werden, die weit über Wernigerode hinaus Vorbildfunktion haben können. 

Ideen zur weiteren Nutzungsvielfalt und Wohnungsmischung mit integrativem Charakter werden erwünscht. Auch Aussagen zum Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sollten getroffen werden. Ein auch zukünftig belastbares Mobilitäts- und Energiekonzept wären wünschenswert.